Internet-Terminals: Akzeptanz im Schulalltag

Schaumburger Zeitung, Freitag, den 9. Juni 2000         _____________________________________________________________________

   Schüler verraten Lehrern neueste Tricks
 
        Hildburg-Realschule klickt sich ins Internet / Riesenandrang um wenige "Surf"-Plätze
 

Rinteln(la). 300 Kennungen und Passwörter für den Klick ins Internet hat die "Fachkraft für Computertechnik" an der Hildburg-Realschule, Christa Zaum, in den vergangenen Wochen an Schülerinnen und Schüler vergeben.

Das Interesse an dem neuen Medium ist riesig, und so sind die vier Internetplätze im Gang der Pausenhalle ständig umlagert.

 

Dafür gehen die Jugendlichen auch schon mal etwas eher zur Schule oder bleiben länger. Die  467 Hildburg- Realschüler verfügen seit 2 Wochen über  einen frei zugänglichen,   kostenlosen Internet-Anschluss. Von 7 bis 14  Uhr   laufen die Rechner,   und die Internetverbindung  ist geöffnet.Während dieser Zeit können die Schüler nach Lust und Laune im Internet blättern. Allerdings  können  nicht  alle Seiten  geöffnet   werden.  Ein eigens eingerichteter  Internet-Browser verhindert den Zugriff auf Seiten mit jugendgefährdendem  Inhalt.

Außerdem sind die PC-Plätze für    alle   Lehrer    und  die  Hausmeister gut einsehbar.
Eine weitere Vorsichtsmassnahme  vor     eventuellem Missbrauch ist  die
   Protokollierung  der angewählten Internetseiten.

"Hier mache  ich  Stichproben, und   bei  einem  Verstoß  wird dem betreffenden Schüler das Kennwort  entzogen,   denn schließlich    haben  wir unsere Aufsichtspflicht    zu   erfüllen", erklärte  Christa  Zaum.Zwar sind der Internetanschluss und die Telefongebühren kostenlos, aber    die    Anschaffung    der notwendigen    Hardware   hat eine Menge Geld gekostet.. "6000 Mark    haben   wir   aus der    'Autonomen    Schule' genommen.Das Geld haben die Schüler schließlich selbst erwirtschaftet, indem sie zum Beispiel ihre Räume gereinigt haben", berichtete Zaum. Mit 3000 Mark hat der Elternverein das   Projekt    unterstützt. Die Software wurde       selbst geschrieben, und die vielen Leitungen    wurden   in den Osterferien    mit    Hilfe   der Hausmeister verlegt.

"Es waren unzählige Arbeitsstunden notwendig, ehe das System zur Nutzung freigegeben werden konnte." 

Die Terminals und Server der  Anlage stehen sicher in einemverschlossenen Nebenraum, und  die   Software  musste so programmiert werden, dass die  Schüler das

System nicht zum  Absturz bringen    können.Denn der Reiz,  das sofort  zu probieren sei  riesig  groß, so Christa Zaum.  

Spender gesucht:Zwei weitere Rechner kosten 5000 Mark 

Ein PC mit Internetanschluss steht   zusätzlich    in     einem Lehrerzimmer. Hier üben sich die Lehrkräfte im Umgang mit dem    neuen   Medium,   und oftmals  sind  es   die  Schüler,   die ihnen die neuesten Tricks verraten.

Über einen gut bestückten PC-Raum   für   Unterrichtszwecke verfügt   die    Hildburg-Realschule   schon    seit    Jahren. Außerdem haben die Hildburg- Schüler und die Gymnasiasten seit zwei Jahren  vier  Rechner mit E-mail-Zugang  im   oberen Flur stehen. Hier kann  kostenlos Post ausgetauscht werden. Innerhalb des Hauses  werden die    Nachrichten    noch  am  selben   Tag  zugestellt.Externe Mails   werden    in   der  Nacht ausgetauscht,  um   Kosten  zu  sparen.
 
"Wir  sind  hier  schon recht gut ausgestattet.Trotzdem würden wir  uns  zwei  weitere Rechner für  Internetplätze   wünschen. Dazu   
suchen wir   einen Spender , der  uns  5000  Mark  zur    Verfügung  stellt.    Dafür  würden  wir   ihn  auch  auf  dem laufenden Begrüßungsbildschirm   erwähnen",  erklärte die engagierte Lehrerin Christa Zaum.

In der Hildburgschule hat  man die Zeichen  der  Zeit   erkannt und    baut    auf    den   frühen  Umgang mit  der   neuen Technik.  An  den    anderen  Rintelner Schulen  ist  man   noch  lange nicht soweit. Zwar  stehen  den   Kindern   in    manchen Einrichtungen   PC's   für   Unterrichtszwecke  zur   Verfügung,   aber   durch  das Internet   surfen   neben den    Hildburgschülern     nur   noch    die   Grundschüler   in Möllenbeck.     Die    meisten Schulen haben aber  bei  der Telekom  einen Antrag  auf Internetanschluss gestellt und warten   darauf,   dass     die entsprechenden   Leitungen verlegt werden.

"Für  uns   ist   das  noch   nicht aktuell.    Wir  hoffen  aber,  mit Beginn des neuen Schuljahres    einen Anschluss zu haben.Dann werden wir  prüfen,  inwieweit   das  Internet für Grundschüler  geeignet   ist",  sagte Manfred Asche, Leiter der   Grundschule Süd.

4 Computer in der Pausenhalle

In der Orientierungsstufe I(OSTI)ist der   Internetanschluss, ebenso wie im Gymnasium, vorhanden. Hier ist man allerdings  noch  sehr zurückhaltend. Die   Rechner  stehen  nämlich  in  den  Lehrerzimmern  und  sind  für  die  Schüler nicht zugänglich.    "Wir  warten  auf  eine Einführung ins Internet  durch die Telekom.Danach werden wir die pädagogische  Nutzung prüfen",meinte Rolf Edler,Schulleiter der OST I.
Vielleicht könnten  hier  die  Schüler  etwas Hilfestellung leisten,denn die kennen keine Berührungsängste   mit dem neuen Medium und lernen den Umgang blitzschnell.

 

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